Konzertreview: Faber im Huxleys

Wenn eine Stunde vor Abfahrt plötzlich ein Urlaub abgesagt werden muss, ist das erstmal ziemlich blöd – sehr blöd sogar. Doch was bringt es, dann die ganze Woche Zuhause zu sitzen und depressiv die Wand anzustarren, wenn man doch in einer wunderbaren Stadt wie Berlin lebt, die so viel zu bieten hat? Und wenn sie eins zu bieten hat, dann sind es zahlreiche Konzerte. Zum Glück spielte Faber direkt an dem Tag, an dem ich eigentlich abends schon mit einem Glas Wein und einer lieben Freundin in Amsterdam sitzen wollte und so wurde spontan eben umgeplant. Da ich ihn schon mal auf dem Dockville habe live spielen sehen, wusste ich auch direkt, dass er auf jeden Fall für gute Laune sorgen wird – genau das, was ich an diesem Abend brauchte. Und spontane Konzerte sind sowieso meist die besten. Das sollte sich auch an diesem Abend wieder erneut beweisen.

Also wurde ganz schnell rum telefoniert und am Ende zum Glück jemand gefunden, der sowieso hin wollte und mich mitnahm. So wurde das spontane Anti-Frust-Konzert direkt mit einem Catch Up eines lange nicht gesehenen Freundes verbunden. Perfekt! Nun noch schnell irgendein Outfit übergeworfen und ab zum Huxleys. Dort platzten wir mitten in den Gig der Supportband Neufundland aus Köln, die mich direkt mit ihrem Sound überzeugte und kein Bein still stehen ließ. Da war auch schon direkt klar, dass nach dem Konzert definitiv eine Platte von ihnen gekauft wird.

Dann wurde es Zeit für Fabers Auftritt, der unerwartet gleich zwei Stunden nicht mehr von der Bühne wegzukriegen war. Eine Sache, die ich besonders an ihm mag: man spürt, wie sehr er Musik und das live spielen liebt und wahrlich lebt. Für alle, die Faber nicht kennen erst einmal die Frage: “Wie könnt ihr nur?”. Dann wollen wir eure Wissenslücke mal auffrischen: Letztes Jahr veröffentlichte der Schweizer Musiker Faber sein Debütalbum ‚Sei ein Faber im Wind’, auf das viele Musikliebhaber schon ganz sehnsüchtig gewartet hatten. In den Medien wurde er da schon gern als ‚das nächste große Ding’ und als ‚lyrischer Zündler‘ bezeichnet. Ich für meinen Teil schätze seine große Begabung als Songtexter und die Tatsache, dass er neben Gitarren und Klavier auch gerne mal Posaunen und Geigen einsetzt.

Genau wie auf dem Debütalbum, wirkt Faber auch auf der Bühne schon viel reifer, als er es eigentlich ist. Der 24-jährige bringt einen so reifen Sound hervor, von dem der ein oder andere fast schon gefallene Musiker wohl nur träumen mag. Seine Mitmusiker reichern das meist unspektakuläre Pop-Genre mit Elementen aus Folk, Humpta und Jazz an, wodurch Faber nicht als langweiliger, deutschsprachiger Popmusiker wahrgenommen wird, sondern als Revolution des Genres. Obendrauf kommen seine klar durchdachten und von stolzen und kaputten männlichen Egos erzählenden Texte, die von seiner wahnsinnigen Stimme abgerundet werden.

Ich hatte viel Spaß bei dem Konzert, habe viel gelacht, viel getanzt und bin mit einem ganz wunderbaren Gefühl nach Hause gegangen. Solltet ihr also jemals die Chance haben, ihn live erleben zu können, habe ich nur einen Rat für euch: TUT ES!

© Beitragsfoto: Stefan Braunbarth

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