Festival Recap: Reeperbahn Festival 2016

Das war es also. Das letzte Festival der Saison und diesen Saisonabschluss durfte ich in meiner wunderschönen alten Heimat feiern. Das Reeperbahn Festival ist das größte Clubfestival Deutschlands und so findet es in den typischen Konzertlocations auf der Reeperbahn, auf Schiffen am Hafen, im tollen Konzertbunker Uebel & Gefährlich sowie in trashigen Clubs zwischen zahlreichen betrunkenen Touristen, die einen dann doch das ein oder andere mal aus der kuschligen Musikblase holen, statt.

Hier trifft sich die deutsche und auch internationale Musikszene zu interessanten Vorträgen und Workshops, großartigen Konzerten vielversprechender Newcomer-Acts, Filmvorführen, Kunstausstellungen und natürlich zum Networken. Ich persönlich liebe die Hamburger Musikszene und vermisse manchmal dieses familiäre Flair und vor allem eine wirklich echte Bandszene in Berlin. Das Reeperbahn Festival glänzt jedes Jahr mit einem ganz wunderbaren Line Up, das in diesem Jahr haargenau meinen Geschmack traf.

Leider verpasste ich aufgrund der engen Zeiträume zwischen den Gigs, parallel stattfindenden Konzerten und den manchmal doch sehr langen Wegen zwischen den Locations einige Künstler, die ich sehr gern gesehen hätte. So wurde eben auch mal von der Großen Freiheit 36 zum Uebel & Gefährlich gehetzt, um danach wieder fix zur St. Pauli Kirche zu huschen, die übrigens ein unglaublich magischer Ort ist.

Freitag

Am Freitag verpasste ich leider schon einige tolle Acts, wie The Entrepreneurs, We Are Wolves, Tiger Lou und Von Wegen Lisbeth, da ich erst zum Abend hin anreisen konnte. Nach dem ersten Act, der für mich auch gleich die Entdeckung des Abends ist, war die Traurigkeit darüber dann aber doch recht schnell vergessen.

dePresno

dePresno durften am Freitagabend in der St. Pauli Kirche spielen. Zu ihrem Auftritt kann ich eigentlich nur drei Dinge sagen: Magischer Ort. Magische Stimme. Magischer Moment. Hinter dePresno steckt ein nachdenkliches Songwriter-Projekt eines jungen Norwegers. Schon wenn man die Platte hört, kommt man nicht umher die ganze Zeit mit dem Kopf und den Füßen zu wippen. Live zieht dePresnos Musik einen vollkommen in seinen Bann, sodass man sich kurz erwischt, wie man alles um sich herum vergisst.

MOTHXR

Weiter ging es zu MOTHXR aus New York ins Moondoo, die mit dieser Location nicht so viel „Glück“ hatten, denn irgendwie passte ihre Musik nicht zu dem Flair des Clubs. Ihr Sound war sehr poppig, was nicht unbedingt schlecht sein muss, jedoch nicht zu 100% meinen Geschmack traf. Anfang des Jahres veröffentlichten sie ihr Debütalbum ‚Centerfold‘, das durchaus hörenswert ist.

Biffy Clyro

Ich bin zwar kein eingeschworener Fan von Biffy Clyro, jedoch muss man sie einfach mal gesehen haben, wenn man schon die Chance dazu hat. So fand ich mich also umzingelt von Biffy Clyro-Fans im Docks wieder. Die Stimmung war grandios, denn jeder um mich herum konnte alle Songs mitsingen. Das schottische Trio legte eine großartige und mitreißende Show hin, sodass nicht nur Fans, sondern auch Interessierte wie ich, auf ihre Kosten kamen.

The Slow Show

Eigentlich wollte ich den Abend unbedingt mit The Slow Show, die mir schon von so vielen Seiten empfohlen und hochgelobt wurden, ausklingen lassen, jedoch spielte mir da das berühmte Problem des Reeperbahnfestivals einen Streich. Ich war zwar zeitig vor der Location, allerdings war die Schlange soooooo lang, dass ich mein Glück gar nicht mehr versuchte. Erwähnen möchte ich sie an dieser Stelle trotzdem, da ihr Konzert sicher ganz wunderbar war und ich mich immer noch ärgere, sie erneut verpasst zu haben.

Sonntag

Auch der Sonntag begann nicht ganz so wie erhofft, denn ich wollte erst entspannt zum Konzert von Warhaus und anschließend zu Have Your Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? (allein schon weil mich der Name sehr neugierig machte), doch vor beiden Clubs waren die Schlangen selbst eine halbe Stunde vor den Konzerten schon unendlich lang. Das frustrierte etwas, zumal ich am ganzen Tag nur wenig Zeit zwischen den geplanten Gigs hatte und einige Konzerte auch nur für ein paar Songs hätte besuchen wollen, um mir wenigstens einen Eindruck der Band verschaffen zu können ohne sie ganz zu verpassen. Da machte mir jedoch das ganze System des Reeperbahn Festivals einen Strich durch die Rechnung, weshalb ich mich neu organisieren, also doch auf einige Konzerte ganz verzichten musste, aber so blieb für den restlichen Tag immerhin der Frust aus, denn nun schaffte ich es wirklich zu allen Gigs und das ohne langes Anstehen.

Kytes

In der nun unerwarteten freien Zeit holte ich mir ganz entspannt einen Drink und genoss die Nachmittagssonne bei einem Konzert der Kytes vorm N-Joy Bus. Hier fanden den ganzen Tag kleine Akustik-Sessions der Reeperbahn-Künstler statt, die sich perfekt dazu eignen, neue Künstler zu entdecken. Akustik-Sessions sind sowieso immer ganz wunderbar und so erlebte ich die von mir nach dem MS Dockville schon hoch gelobten Kytes nochmal von einer völlig anderen Seite.

James Hersey

Da ich noch etwas Zeit bis zum nächsten geplanten Konzert hatte blieb ich einfach noch etwas in der warmen Sonne vorm N-Joy Bus stehen und ließ mich von James Hersey aus Wien bezaubern. Sein Name sagte mir zunächst nichts, doch schon den ersten Song erkannte ich aus dem Radio. Seine Musik eignet sich wirklich perfekt für’s Radio, ist dadurch aber nicht „langweilig“ oder zu „Mainstream“.

AVEC

Die Singer-Songwriterin aus Österreich begeistert mich schon lange mit ihrer bittersüßen und melancholischen Musik. Im November veröffentlichte sie ihre erste EP, von der mich vor allem der Song ‚Dead‘ den ganzen Winter über begleitete. Bald kommt endlich ihr Debütalbum und auch das wird sicher wieder perfekt zum Herbst und Winter passen und einige meiner gemütlichen Couch-Abende bei Kerzenlicht begleiten.

IAMJJ

IAMJJ aus Dänemark stellt für mich auf jeden Fall DIE Neuentdeckung des Samstags dar. Sein Konzert ließ ich voll und ganz auf mich zukommen, sprich: ich kannte weder ihn noch seine Musik vorher, jedoch klang der Infotext vom Festival sehr interessant. Er spielte im kuschligen Club Indra und verzauberte das gesamte Publikum – so auch mich – mit seiner einzigartigen Stimme und seinem ganz besonderen Sound. Noch gibt es leider nicht allzu viel von ihm zu hören, dafür aber hier  ein Video.

Get Well Soon 

Get Well Soon. Mehr muss ich an dieser Stelle fast gar nicht sagen. Sie kann und darf man einfach nicht verpassen auch wenn The Head and The Heart leider parallel im Docks spielten. Meine Entscheidung für Get Well Soon bereute ich absolut nicht. Sie sind einfach verdammt gute Musiker und nachdem sie ihr Konzert mit meinem Lieblingssong „It’s Love“ begannen, hatten sie sowieso schon mein Herz gewonnen.

Mule & Man

Mule & Man sind ein ganz besonderes neues Projekt. Dahinter stecken nämlich Bonaparte und Kid Simius, die damit ihre beiden Sounds vereinen und zu etwas Neuem, ganz Großem machen wollen. In letzter Zeit habe ich viel darüber gelesen und wollte mir nun endlich mal einen Live-Eindruck verschaffen, zumal Bonaparte so berühmt berüchtigt für seine sagenhaften Live-Shows ist. Sie durften im Uebel & Gefährlich auftreten und sorgten dort für exzessive Stimmung, die auch mich packte.

FIL BO RIVA

Auf die Musik von FIL BO RIVA stehe ich schon wahnsinnig lang. Bisher gab es nur den Song „Like Eye Did“ auf Spotify und ich wartete sehnsüchtig auf mehr. Am Freitag hat er endlich seine Debüt-EP veröffentlicht und ich musste ihn einfach live sehen, wenn er schon beim Reeperbahn Festival spielt. Schon ab dem ersten Song war ich einfach nur verzaubert von ihm und seiner Musik. Für mich war es der bisher beste Live-Auftritt eines Singer-Songwriters, deren Konzerte manchmal, nunja, etwas eintönig sein können. Er jedoch schaffte die perfekte Balance zwischen langsamen und schnelleren Songs und hielt die Stimmung konstant oben.

Schwarz Dont Crack

Da ich sowieso am Häkken vorbei musste, um zur U-Bahn zu gelangen, schaute ich nochmal auf ein paar Songs beim Gig von Schwarz Dort Crack vorbei. Den Sänger durfte ich schon beim Lollapalooza, begleitet von einem Piano, auf dem #musikdurstig-Floß erleben und war schon da von seiner sympathischen Ausstrahlung und seiner souligen Stimme begeistert. Beim Reeperbahnfestival trat er in der eigentlichen Besetzung auf, denn normaler Weise geht sein Sound eher in Richtung Electro-Soul, weshalb die elektronischen Klänge natürlich nicht fehlen dürfen. So sorgte er für einen ganz wunderbaren Abschluss der Festivalsaison.

 

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