Festival Recap – MS Dockville 2016

Der Festivalsommer geht munter mit dem MS Dockville weiter und sollte für mich damit wohl schon den Höhepunkt der diesjährigen Saison finden. Noch immer befinde ich mich im Dockville-Rausch und beantworte jedes Mal die Frage “Hey, wie war’s denn eigentlich auf dem Dockville?” mit einem strahlenden Lächeln, Herzchen in den Augen und den Worten: “Es war ganz zauberhaft!”

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Ich warne euch schon einmal vor: dieser Recap wird lang. Sehr lang. Ich konnte mich einfach nicht kürzer fassen, da ich euch all die wunderbaren musikalischen Entdeckungen nicht vorenthalten möchte.

Freitag

Auch wenn sich die Anreise am Freitag für uns eher nervig und langatmig durch sieben Stunden Stau und zahlreichen Unfällen gestaltete, verlor ich untypischer Weise meine gute Laune nicht, denn immerhin freute ich mich auf ein großartiges Line Up mit meinen Lieblingen Crystal Fighters, Foals, KAKKMADDAFAKKA, Ry X, Drangsal, und, und, und… Endlich auf dem Festivalgelände angekommen, verzauberte mich die beeindruckende Kulisse des Hafens sofort. Diese wirkte noch malerischer durch die mit Blümchen und der zauberhaften Lola Marsh bestückten Bühne gleich am Eingang.

Von dort aus hieß es erstmal das mit viel Liebe gestaltete Gelände zu erkunden und schnell zum kanadischen Singer/Songwriter Matt Corby huschen, der uns mit einer großartigen Band überraschte und für einen guten Festivalstart sorgte.

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Anschließend ging es zu The Neighbourhood, deren Alben schon an zahlreichen Tagen in Dauerschleife bei mir liefen. Umso mehr freute ich mich sie endlich einmal live erleben zu dürfen. Die Vorfreude wurde leider von einem enttäuschten Blick meinerseits abgelöst, denn ganz so spektakulär war das leider nicht. Womöglich hatte ich zu hohe Erwartungen? 

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einige Songs von Milky Chance ohne Pause hörte. Dabei war es gar nicht so sehr ihr großer Hit Stolen Dance, sondern eher die kleinen versteckten musikalischen Perlen auf ihrem Album. Zu einem Konzert von ihnen zog es mich trotzdem bisher nie. Warum weiß ich selbst nicht so genau. Sie lieferten einen soliden Auftritt ab, der zum Tanzen und Feiern animierte und perfekt für einen sommerlichen Festivalabend war.

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Danach wurde es etwas ruhiger mit Ry X. Ry X ist und bleibt mein Traummann. Das geht wohl vielen Frauen so, vor allem denen die in der ersten Reihe beim Dockville bei seinem Anblick fast in Ohnmacht fielen. Wie immer legte er einen perfekten Auftritt hin, nahm alle Menschen um sich herum mit in seine Traumwelten und ließ uns so einmal den Trubel eines Festivals vergessen, vor allem bei seinem von wohl jedem geliebten großartigen Song Berlin.

Zu Bastille kann man eigentlich gar nicht so viel sagen. Ich weine immer noch den Zeiten hinterher, in denen sie tolle Shows in kleinen Locations spielten. Für mich haben sie durch ihre zahlreichen Coverversionen großer Hits irgendwie an Zauber verloren. Mittlerweile sind ihre Auftritte perfekt durchgeplant und auch die neuen Songs, die einen Vorgeschmack auf das neue Album bieten sollten, sind poppiger denn je. Es war trotzdem ganz nett mal wieder zu alten Lieblingsstücken, wie Things We Lost In Fire oder Pompeii zu tanzen.

 

Samstag

Der Samstag hielt für uns die meisten musikalischen Überraschungen und Neuentdeckungen bereit. Konnten wir etwas entspannter und mit mehr Energie in diesen Tag starten, verließen wir das Dockville-Gelände erst sehr spät wieder.

Als wir auf dem sonnigen Gelände ankamen liefen wir zufällig genau in den Poetry Slam hinein, der direkt auf der vorderen Bühne neben dem Eingang stattfand und überraschender Weise sehr gut besucht war. Für einen kurzen Moment ließen wir uns dort nieder und lauschten den Slamern. Leider hatten wir nicht zu viel Zeit, denn wir wollten auf keinen Fall den Auftritt von Beaty Heart auf der Main Stage verpassen.

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Beaty Heart waren eine Empfehlung eines guten Freundes, der mich sehr oft auf Konzerte begleitet und mit dem ich einen ähnlichen Musikgeschmack teile. Auch dieses Mal enttäuschte er mich keinesfalls, denn ihre Musik ist wirklich gut und ich kannte sogar ihren letzten Song Flora Cash schon, der der perfekte Einstieg, um zu ihrer Musik zu finden, ist. 

Kytes waren für mich eine der größten Überraschungen des Tages (von denen es übrigens noch viele mehr an diesem Tag gab). Ein paar ihrer Songs kannte ich schon, jedoch habe ich sie noch nie intensiv und konzentriert gehört. Schon vor ihrem Auftritt beeindruckte uns ihr Bühnenbild sehr. So einfach und doch so schön. Dafür, dass sie am frühen Nachmittag spielten, wurde es ganz schön voll vor der Bühne. Dann passierte etwas, was ich so nicht erwartet hätte. Das ganze Publikum (uns eingeschlossen) feierte eine 50-minütige Dauerparty. 

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Mit Oscar aus England verbinde ich den wohl verrücktesten, aber auch einen der schönsten Auftritte des Dockvilles. Im Mickey Mouse-Shirt stand er also da mit seiner wild zusammengewürfelten Band auf der Bühne und wirkte dabei nicht nur leicht vernebelt. Seine Musik blieb mir total im Kopf hängen und sein Album Cut And Paste, dessen Cover ein wenig so aussieht, als wäre es mit Paint schnell mal dahingekritzelt worden, läuft momentan bei mir hoch und runter.

Dann ging es zum kompletten Gegenteil: einer Meute Musiker, die nicht nur wie ein Spielmannszug gekleidet waren, sondern auch noch deren Instrumente in den Händen hielten. Erst dachte ich das sei ein Scherz und womöglich würde uns der trashigste Auftritt der Welt bevorstehen, doch das was die Typen da auf der Bühne von sich geben, ist sogar noch richtig, richtig cool. Quasi analoge Elektromusik, zu der man locker ein paar Stunden durchtanzen kann.

Honne verzauberte uns sofort von der ersten Sekunde an mit seiner souligen und einfühlsamen Stimme. Seinetwegen sind sicherlich schon einige Frauen in Ohnmacht gefallen. Leider fing Drangsal kurze Zeit später an auf einer weit entfernten Bühne, dem Butterland, zu spielen und ihn wollte ich auf keinsten Fall verpassen.

Ja, denn Drangsal ist für mich einer der besten und talentiertesten Newcomer des Jahres. Jedes Musikmedium berichtete über ihn, nachdem er sein grandioses Debütalbum veröffentlichte, welches sich übrigens nicht nur ganz wunderbar anhört, sondern auch als Vinyl ganz wunderbar ausschaut. Seinen Gig in Berlin hatte ich damals ganz knapp verpasst, bin ich doch erst genau einen Tag später auf ihn aufmerksam geworden. Seitdem liebe ich sein Album und seine Musik. Dahinter verbirgt sich ein für mich unglaublich interessanter Mensch, der die Figur Drangsal verkörpert und diese auch live auf der Bühne zum Leben erweckt. Da gehört sicher einiges an Schauspielerei dazu, doch mich beeindruckte er vollends mit seiner Art, mögen einige andere ihn wohl auch als sehr arrogant abstempeln. Der Sound war schwierig, doch die Band kämpfte sich dadurch und wurde am Ende mit viel Gejubel und Liebe belohnt.

Oh und dann waren da noch die Crystal Fighters. Zuletzt durfte ich vor ziemlich genau einem Jahr zu ihrem DJ-Set im Uebel und Gefaehrlich in Hamburg ausrasten. Ich raste gern zu ihrer Musik aus. Vor allem zum Song I Love London, worüber sich gern der ein oder andere Freund von mir lustig macht und mich mit fragendem Blick anschaut. Ich weiß auch nicht was es genau ist, aber es ist ein ganz großartiges Gefühl zu ihrer Musik, vor allem aber Songs I Love London, Plage oder You & I alles um sich herum zu vergessen und einfach nur die Musik auf sich wirken zu lassen. Das sahen noch einige andere tausend Menschen auf dem Dockville ähnlich und so ließen wir uns nicht von der Masse erdrücken, sondern tanzten einfach mit ihnen gemeinsam durch die Nacht.

Dann war es auch schon endlich soweit. Wir warteten auf die von mir über alles geliebten Foals, die ich in diesem Jahr schon in der Columbiahalle live erleben durfte und deren Auftritt beim Rock am Ring leider abgesagt werden musste. Zum Glück fiel das Dockville, wie so viele andere Festivals in diesem jämmerlichen Sommer, nicht ins Wasser und ihr Auftritt konnte stattfinden. Und wie der stattfand! Auch wenn der Herr Drummer mit Soundproblemen kämpfte und zwischendurch wütend den Tonmann anpöbelte, ließen sich die Fans ihre wenn auch etwas verhaltene Stimmung nicht verderben und genossen ihre Lieblingssongs, wie Inhaler, My Number, What Went Down und den berühmt berüchtigten letzten Song Two Steps, Twice, bei dem Sänger Yannis sogar gleich zwei Mal in die Menge sprang.

 

Sonntag

Der Sonntag wurde musikalisch etwas lauter, etwas rotziger und etwas deutscher.

Den Anfang machten wir mit Faber. Okay, eigentlich mit den Consolers, die wirklich ganz cool klangen, aber leider hörten wir nur einen Song von ihnen, da wir mal wieder zu spät auf dem Gelände ankamen.

Weiter ging es zu Graham Candy, bei dessen Auftritt ich am liebsten nach vorne gestürmt wäre, um ihn einmal so richtig durchzuknuddeln. Dieser Mensch ist einfach goldig und versprüht unglaublich viel Lebensfreude und Spaß an der Musik. Die Musik war übrigens besser als gedacht und passte perfekt zu einem sonnigen Nachmittag mit lieben Freunden.

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Die Nerven wurden laut und zwar sehr laut. Leider hatten sie ein wenig mit Soundproblemen zu tun und konnten das kaum mehr verbergen, als ihr Gitarrist wütend von der Bühne stürmte. Ratlose Gesichter blickten in verwirrte Gesichter. Der Drummer versuchte es wenigstens zu retten und trommelte ein wenig herum während er Don’t Worry Be Happy sang. Das sorgte schon für den ein oder anderen Lacher und siehe da… sogar den Gitarristen brachte es zurück auf die Bühne. Der zog jedoch nur noch das Set bis zum Ende durch und wiederholte dann seinen divenhaften Abgang. Der Rest der Band wollte einfach nur im Boden versinken.

GLORIA enttäuschten mich leider ein wenig. Also ja, ich erwartete keinen grandiosen Auftritt von ihnen, aber irgendwie doch… hm… etwas mehr? Klaas dünne Stimme und sein dauerhaftes Grinsen trieben mir immer wieder die Frage in den Kopf: “Kann er das da gerade wirklich ernst meinen?”

Durch wie viele wunderschöne Stunden und traumhafte Erinnerungen mich Half Moon Run schon gebracht haben… Nun durfte ich also zum ersten Mal diese ganz wunderbaren Songs live hören und wurde bitter enttäuscht. Okay, das klingt vielleicht etwas zu dramatisch. Aber enttäuscht war ich schon irgendwie von ihrem Auftritt. Zum Glück bleiben die tollen Erinnerungen trotzdem und die Platte darf weiterhin bei mir gespielt werden.

Hinds. Vier Frauen aus Madrid. Ich finde es schön, wenn endlich mal mehr Frauen in der Musikszene auftreten und gerade eine reine Frauenband sieht man nur selten, jedoch sollten diese besagten Frauen doch ein wenig musikalisches Talent mitbringen. Dies konnte ich hier leider nicht wirklich erkennen und deshalb zog es uns nach ein paar Songs zu unserem Lieblingshamburger Enno Bunger.

Ach Enno Bunger. Für ihn schwärme ich ja schon eine ganze Weile. Ich weiß gar nicht wieso, denn musikalisch hat er sich in eine Richtung entwickelt, die mir irgendwie nicht so ganz zusagt. Die Leute vor der Bühne haben es jedoch gefeiert und ich war froh, als er meine Lieblingssongs Regen und Abspann spielte und konnte danach getrost zum letzten Konzert des Dockvilles aufbrechen.

KAKKMADDAFAKKA durften mein ach so perfektes Festivalwochenende beenden. Bei ihnen kann man sich eines immer sicher sein: ihr Konzert wird immer eine riesengroße Party werden. Am Ende erwischte ich mich mit tausend anderen Festivalbesuchern dabei die Zeilen “I am forever alone.” lautstark mitzugröhlen. Wie machen sie das nur? Solch traurige Worte in solch lustige Melodien zu verpacken.

So ging für uns ein ganz zauberhaftes Festivalwochenende zu Ende. Für mich das bisher wohl schönste Festival des Jahres. Ich komme im nächsten Jahr definitiv wieder!

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