Festival Recap: Rock am Ring 2016

“DU fährst auf’s Rock am Ring???”, fragte mich neulich ein Bekannter. “Das Line Up ist doch in diesem Jahr gar nicht so cool und ist das denn überhaupt was für Dich?”

Gute Frage… Ja, ich bin nicht unbedingt ein großer Metal- oder Hardrockfan, aber ich glaube das Rock am Ring ist schon lange kein reines Rockfestival mehr. So schlecht hörte sich das Line Up auch gar nicht an. Ich meine, die Foals kommen und dass ich, was sie angeht, ein kleines Fangirl bin, sollte mittlerweile schon bekannt sein. The 1975 wollte ich auch schon ewig mal live sehen, aber bisher klappte es nie. Achso und dann waren da ja auch noch die Red Hot Chili Peppers, die ich vor zehn Jahren in Dauerschleife hörte, aber auch noch nie live gesehen habe. Klassiker, wie ‘By The Way’, ‘Californication’ oder ‘Under The Bridge’, werden irgendwie nie langweilig. Zu zwei geschenkten Tickets sagt man halt auch nicht nein. Also schnell die liebste Freundin geschnappt, schicke Gummistiefel und die dazu passende Regenjacke gekauft und ab ging’s zu Rock am Ring 2016.

Dass es beim Rock am Ring mal regnet, ist wohl kein Geheimnis. Dass es in diesem Jahr solch heftige Unwetter gab, war sehr unschön, nicht wirklich unerwartet, aber wohl doch heftiger als erwartet. Mir tut es sehr, sehr leid um alle, die verletzt worden sind und ich hoffe, dass es ihnen wieder besser geht. Meine Eindrücke möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten:

 

FREITAG

Tja, wie das so mit Mädels ist, kommt man nie pünktlich los. Erst recht nicht, wenn noch schnell die letzten Sachen eingepackt, eingekauft und Geld geholt werden muss. Das Navi zeigte fünf Stunden Fahrt an, wir gingen optimistisch von sechs aus, am Ende wurden es dann sieben. Für so etwas habe ich mir jedoch genau die richtige Begleitung ausgesucht, denn mit ihr kommt einfach nie schlechte Laune auf und auch die stundenlange Suche nach dem richtigen Parkplatz wird nicht zum Stimmungkiller.

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Endlich auf dem Festivalgelände angekommen, bahnten wir uns unseren Weg zur VIP-Lounge, zu der wir glücklicherweise Zugang hatten und entschieden uns erstmal für einen Drink und Abendessen, bevor es mit Panic! At The Disco losgehen sollte. Ein guter Plan, der jedoch vom Unwetter durchkreuzt werden sollte. Wir durften vorerst nämlich nicht mehr aus der Lounge raus (was auf jeden Fall besser so war) und auch das Bühnenprogramm stagnierte für etwa eine Stunde. Zum Glück gab es eine endlos lange Getränkekarte. Wir hörten, wie der Blitz zwei Mal einschlug, dachten uns in dem Moment jedoch noch nichts Böses, denn immerhin wurde das Programm ziemlich schnell wieder aufgenommen.

Panic! At The Disco

Mit Panic! At The Disco hatten wir einen großartigen Festivalauftakt, denn sie waren meine Überraschung des Wochenendes. Lange war es ruhig um sie, so richtig intensiv habe ich sie nie gehört, doch nun sind sie mit neuem Album zurück und das hat es in sich! Was man für eine gute Show braucht, haben die schnieken Boys aus Las Vegas auch schon herausgefunden. So brachten sie mit ganz viel Energie, rockigen und tanzbaren Songs sowie jeder Menge guter Laune das Publikum zum Kochen. Ich war dann sogar etwas traurig, als ihr Konzert nach einer Stunde leider schon vorbei war.

The 1975

Weiter ging es mit The 1975, die ich sehr gern privat höre und auf die ich mich deshalb auch sehr freute. Mehr als einen wie Elvis gekleideten Sänger und leuchtenden bunten Würfels als Bühnenkulisse gab es dann jedoch leider nicht. Die Songs waren irgendwie ziemlich lahm, nur bei den Klassikern, wie ‘Chocolate’ oder ‘Girls’ brachten sie das Publikum endlich mal zum Feiern. Dafür hatten sie einen wirklich guten Slot für ihren Gig, aber nach Panic! At The Disco hätte ich mir wohl etwas energiegeladeneres gewünscht.

Major Lazer

Anschließend gaben wir uns noch ein paar Minuten von Major Lazer, immerhin stürmten die Massen zur Bühne, vor der wir uns ja nun schon mal befanden. Ich wundere mich immer noch, wie solche Acts (von denen es ja in diesem Jahr genügend gab) so gut auf einem Rockfestival ankommen können, aber gut, es geht ja allgemein auf allen Festivals eher dahin die breite Masse anzusprechen. Man muss ihnen lassen, dass sie sich in punkto Bühnenshow wirklich einiges haben einfallen lassen, jedoch kann ich mit diesem Mainstream-Techno-Wasauchimmer einfach nichts anfangen. Es langweilt mich mittlerweile sogar sehr. Gegen gut gemachten Techno/House/Electro ist absolut nichts einzuwenden, dazu gehe ich sogar richtig gern tanzen, aber Major Lazer flasht mich einfach nicht. So machten wir uns dann nach dem anstrengenden Tag auf den Weg zum Auto. Kurzerhand entschieden wir uns aufgrund der Wetterlage gegen den Aufbau unseres Zeltes und machten es uns direkt im Auto gemütlich, was sogar ziemlich gut klappte.

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SAMSTAG

Es klappte sogar so gut, dass wir bis um zehn geschlafen haben, was mir wohl noch nie auf einem Festival passiert ist. Auch die Duschen auf dem Family&Friends Campingplatz waren annehmbar und so starteten wir frisch und fröhlich in den Samstag. Heute hatten wir musikalisch einiges vor, darum stärkten wir uns vorab mit einem ausgiebigen Frühstück und entspannten noch ein wenig im Auto, bevor wir unseren Weg zur VIP-Lounge antraten. Dort hatten wir am Tag zuvor einen Kaffeestand entdeckt, der viel versprach, vor allem auch durch den süßen und sehr kommunikativen Typen, der den Kaffee verkaufte. Der Kaffee war zum Glück auch gut und mit ihm ließ es sich sehr gut in der Sonne (ja, es gab am Samstag auch Sonne beim Rock am Ring) auf der kleinen Veranda aushalten.

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Komisch war nur, dass keine Besucher auf’s Gelände gelassen wurden und sich die erste Band nun schon zehn Minuten verspätete, aber warum sollten sie auch spielen, wenn keine Besucher auf dem Gelände sind? Auf meine Nachfrage an der Bar antwortete man mir, dass sie wohl noch ein bisschen Zeit benötigen, um das Gelände zu sichern. Einige sehr schlammige Stellen wurden teilweise mit Rindenmulch aufgefüllt. “Nun gut, dann warten wir halt, so schlecht geht es uns hier ja nicht.”, dachten wir uns. Dann bekamen wir jedoch eine SMS, dass angeblich bis 20 Uhr keine Band spielen sollte, zu diesem Zeitpunkt wäre somit die Bühne für mehr als fünf Stunden leer geblieben.

Also begannen wir zu googeln und fanden so erstmals heraus, dass es am Freitag ganz schön viele Verletze gab und man auch für den Samstag zwei heftige Unwetter erwarte, weshalb beschlossen wurde, das Festival bis 20 Uhr zu pausieren. Die Kommunikation der Festivalbesucher gegenüber war hier jedoch eher mangelhaft. So warteten wir also und warteten und warteten. Von den Veranstaltern sollte es ein stündliches Update zur Lage geben. Das wurde nicht ganz umgesetzt, aber ab und an gab es Neuigkeiten und so hieß es nun, dass es 21.30 Uhr endlich mit den Main Acts weitergehen sollte. Leider war damit auch klar, dass meine geliebten Foals nicht auftreten werden. Das zog die Laune ein bisschen nach unten, aber wir waren trotzdem froh, als die Deftones die Main Stage schließlich doch noch eröffneten. Vorher richtete Marek Lieberberg noch einige Worte an die Besucher und erklärte unter Tränen, dass er keine Spielgenehmigung für den Sonntag hätte. Zu diesem Zeitpunkt hofften die meisten jedoch, dass sich dies noch ändern wird.

Red Hot Chili Peppers

Anschließend spielten die Red Hot Chili Peppers, auf die ich mich sehr freute. Sie überraschten mich ungemein, denn ich habe zwar mit einem coolen Konzert gerechnet, aber nicht mit SO einem coolen Konzert. Wir standen mittendrin, die Stimmung im Publikum war bombastisch, wir hüpften und grölten die ganze Zeit mit und so waren die Sorgen der letzten Stunden schnell vergessen. Sie spielten ein perfektes Set, sorgten mit drei Top Hits zum Anfang genau für den richtigen Auftakt und schummelten hier und da mal neue Songs dazwischen, die übrigens auch sehr hörenswert sind und die Stimmung nicht abflachen ließen. Dank ihnen war mein Samstag doch noch gerettet.

Billy Talent

Danach gab es noch eine Runde Billy Talent für uns, den ich früher sehr viel gehört habe. Allerdings war es auch für ihn wieder etwas schwer mit den Red Hot Chili Peppers mitzuhalten, da er viele mir unbekannte Songs spielte und es schnell etwas langweilig für mich wurde. Dann kam wieder einer seiner größten Hits und schon war ich wieder voll am Start.

Am Ende entschieden wir uns dazu noch in der Nacht in Richtung Heimat aufzubrechen, da wir sowieso nichts getrunken hatten, offiziell erklärt wurde, dass am Sonntag keine Bands spielen werden und wir ein bisschen Angst vor der Aufbruchsflut am nächsten Tag hatten. Schnell noch einen Kaffee von unserem Lieblingskaffeeverkäufer auf die Hand und ganz fest die Daumen gedrückt, dass wir nicht wie unzählige andere Autos im Schlamm stecken bleiben und von einem Traktor herausgezogen werden müssen. Hat gut geklappt und nach 7 Stunden Fahrt, 16739 Pipi- und Kaffeepausen sowie 592753 Replays der selben CD kamen wir erschöpft und traurig wieder in Berlin an.

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So ein abgebrochenes Festival sorgt schon für viele gemischte Gefühle. Bei mir war es eher die Enttäuschung der Erwartungen und der Vorfreude auf das erste Festival der Saison. Wir haben jedoch das Beste aus dem Wochenende gemacht und ich war sehr froh meine Freundin in diesen Stunden an meiner Seite zu haben, da ich mir keine bessere Begleitung und Aufmunterung hätte wünschen können. Mit guten Freunden wird also auch ein vermatschtes und abgebrochenes Festival zu einem Kracher.

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Nun gibt es viele negative Stimmungen gegenüber der Veranstalter und des Abbruchs im Netz, hauptsächlich von Leuten, die nicht vor Ort waren. Auch wir lasen sämtliche Kommentare während unserer Wartezeit á la: „Jetzt scheißt endlich mal auf eure Geldgier und brecht das Ding ab, ihr gefährdet so viel Menschenleben!“ Das lässt sich natürlich schnell mal sagen, wenn man gar nicht vor Ort ist, gar nicht sieht, dass das Wetter eigentlich okay ist, dass das Schlimmste wohl schon passiert ist. Meiner Meinung nach hätten am Samstag alle Bands spielen können, doch die Veranstalter wurden von den Behörden komplett in die Ecke gedrängt. Wie das Ganze am Sonntag aussah, kann ich nicht beurteilen, da wir nicht mehr da war. Mir tut es schrecklich leid um all diejenigen, die monatelang auf dieses Festival gespart haben, sich riesig gefreut haben, einfach nur ein tolles musikalisches Wochenende verleben wollten und enttäuscht nach Hause fahren mussten. Um die Verletzten tut es mir natürlich nochmal um einiges mehr leid. Ich glaube niemand war sich in diesem Moment bewusst, dass so etwas passieren würde und daraus wird man hoffentlich für das nächste Jahr lernen. 

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