Alone In Berlin…

Neulich sagte jemand zu mir: ‘Hey, du so als Single-Girl in Berlin. Das ist doch das große Los, oder? Da gibt es doch so viele hübsche Menschen und du hast so viele Optionen.’ Dieser Satz brachte mich stark zum Nachdenken und ich gelangte zu der Erkenntnis: ‘Nein, eigentlich nicht. Eigentlich ist es genau das Gegenteil.’

Es stimmt, dass es viele hübsche und attraktive Menschen in Berlin gibt. Du triffst sie auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause, wenn du mit dem Hund unterwegs bist, auf Konzerten, auf Partys. Aber ins Gespräch kommst du dabei eigentlich nie. Außerhalb meines Arbeitsumfeldes lerne ich kaum jemanden kennen, um ehrlich zu sein. Was ich bisher gar nicht so schlimm fand, denn bei 150 Kollegen aus aller Welt gibt es wirklich genügend interessante Menschen, mit denen ich sehr gerne auch meine Freizeit verbringe und welche mittlerweile zu guten Freunden geworden sind. Doch mehr könnte ich mir mit einem Kollegen niemals vorstellen. Wenn das dann nämlich nicht funktioniert, hat man den Salat.

Das war irgendwie zur Studienzeit doch noch einfacher. Als ich noch in meiner Heimatstadt Magdeburg wohnte, wo ich super vernetzt war. Neben dem Studium habe ich in drei angesagten Clubs an der Bar gearbeitet, im Eventmanagement bei einem Radiosender und angefangen bei pop10 mitzuwirken. In dieser Zeit habe ich viele interessante Menschen getroffen und tolle Konversationen geführt. Am liebsten waren mir diejenigen, die mich an der Bar in ein Gespräch verwickelten, aber nicht etwa, um mich im Anschluss mit nach Hause zu nehmen, sondern einfach nur so. Wahrscheinlich hätte ich es auch provozieren können, aber damals war ich noch sehr glücklich vergeben und hätte niemals der Versuchung nachgegeben. Doch in dieser Situation wäre es als Single wohl genau das oben genannte ‘große Los’ gewesen, je nachdem, wie man das sieht.

Klar, bin ich viel unterwegs. Klar, gehe ich viel auf Konzerte und Partys. Aber bis auf ein paar blöde Anmachsprüche von sich selbstüberschätzenden Typen habe ich dort eigentlich nie irgendwelche Bekanntschaften gemacht. Das größte Problem in der heutigen Zeit ist meiner Meinung nach diese kleine süße App, deren Name mit T beginnt und mit inder aufhört. Warum sollten sich Männer noch die Mühe machen eine Frau anzusprechen und ein wirklich ernstes Gespräch zu führen, wenn man abends entspannt im Bett liegen und sich direkt zum nächsten One Night Stand swipen kann? Warum sich da noch die Mühe und Umstände machen eine echte tiefgründige Beziehung aufzubauen und am Leben zu halten?

Gestern Abend habe ich genau dieses Thema mit zwei Freundinnen diskutiert. Eine von ihnen meinte: ‚Vielleicht ist Berlin einfach keine Stadt, in der man eine Beziehung führen oder überhaupt finden kann.‘ Ja, womöglich ist es auch das. Alles ist so schnelllebig. Auch die Menschen. Doch früher oder später werden auch diese einsehen müssen, dass One Night Stands nicht alles sind, dass ihnen ein wirklicher und wichtiger Inhalt in ihrem Leben fehlt, dass sie im großen und mit interessanten Menschen übersähten Berlin ziemlich allein sind. Denn ja, Berlin kann manchmal sehr einsam sein…

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