Endlich angekommen oder noch gar nicht auf dem Weg?

Es hat mich in der Vergangenheit schon an viele Orte gezogen. Nie habe ich irgendwo länger als ein Jahr gewohnt. Zahlreiche Umzüge in zahlreiche Städte und wieder zurück. Mit jedem Umzug ein Neuanfang, neue Freunde, neue Aufgaben, neue Schwächen und Stärken. Unbekümmert durchs Leben gehen und doch permanent über die Zukunft nachdenken. Vielleicht sogar Angst haben, da man nicht weiß, was die Zukunft bringt und wohin sie dich führt. All das habe ich in den letzten Jahren immer wieder durchgemacht. Keine Beständigkeit, kein richtiges zu Hause.

Zwar habe ich mich andauernd nach Beständigkeit gesehnt, es jedoch nie wirklich lange an einem Ort ausgehalten. Immer wieder rief ein neuer Ort nach mir und ich konnte es einfach nicht lassen. Böse Zungen würden an dieser Stelle vielleicht behaupten, ich sei einfach vor Problemen weggelaufen. Möglich ist das. Wirkliche Glückseligkeit und Unbeschwertheit habe ich bisher noch an keinem Ort gefunden. Stattdessen ließen Probleme und Unzufriedenheit nie lange auf sich warten. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Ich hatte in jeder Phase meines Lebens tolle Momente in tollen Städten. Egal ob in meiner Heimatstadt, in Brüssel, in Berlin oder Hamburg. Jedoch war es nie diese Vollkommenheit, dieses Gefühl angekommen zu sein. Womöglich aus verschiedenen Gründen. Als Student ist man zu frei und ungezwungen, als dass man jahrelang an einem Ort leben kann und vor allem möchte. Man nutzt jede Gelegenheit dem Erwachsenwerden zu entfliehen. Das Studium bloß so gut es geht ausnutzen und genießen. Keine Abstriche machen, später muss man noch lange genug vernünftig und erwachsen sein.

© Choco Flanell & Jayne Cash
© Choco Flanell & Jayne Cash

Das letzte halbe Jahr hingegen hat mich sehr geprägt. Mein Wunsch nach Sicherheit und Beständigkeit wurde immer größer. Ankommen, so spießig oder kitschig das auch klingen mag. Irgendwann sehnt sich der Mensch nun einmal danach und hat es satt, jedes Jahr irgendwo neu anzufangen, stets Freundschaften aufzubauen und sie dann doch wieder aus den Augen zu verlieren, sich zu verlieben und sich zu entlieben, anzukommen und dann auch schon wieder gehen zu müssen. Ich sehnte mich so sehr nach einem festen zu Hause mit geliebten Menschen um mich herum. Dies glaubte ich nun in Berlin gefunden zu haben. Die Entscheidung stand schon sehr lang fest. Berlin ist für mich so etwas wie eine zweite Heimat und dort leben so viele meiner Herzmenschen. Nun bin ich also angekommen, fühle mich wohl, möchte hier endlich mal länger leben und nicht über die Zukunft nachdenken müssen. Es fühlt sich gut an, es tut mir gut, ich habe endlich meine Unbeschwertheit und Träumerei wiedergefunden. Doch wie lange wird es wohl diesmal anhalten? Fällt einem auch hier irgendwann die Decke auf den Kopf? Ich habe schon mein ganzes Leben lang mit mir selbst zu kämpfen. Irgendwo zwischen Heimweh und Fernsucht, zwischen Liebe und Hass, zwischen Zufriedenheit und Sehnsucht. Wird man denn je zufrieden sein? Oder sehnt man sich stets nach dem, was man gerade nicht haben kann? Wer weiß das schon. Wer weiß schon, wo es uns hin führt, wo wir in fünf Jahren leben werden, mit wem wir zusammen sein werden…

Genau das ist es doch aber, was das Leben so spannend macht, oder?

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